Großglockner Ultra Trail 2017

Ein perfekter Lauftag…

22. Juli 2017 früh morgens um 3 Uhr, der Wecker klingelt, schnell aus mit dem Ding, damit nicht der ganze Campingplatz auch wach ist….

Geschlafen haben wir eh kaum. Raus aus den Federn, etwas Frühstücken und ab nach Kaprun. Dort starten ab 4:15 die Busse die uns zum Start nach Kals am Großglockner bringen. 50 km mit 2000 Steigungsmetern bergauf und fast 2500 Metern bergab einmal über den Alpenhautkamm bis nach Kaprun stehen heute auf unserem Programm. Wir laufen die mittlere Strecke, die Läufer der Langstrecke mit 110 km und 6500 Steigungsmetern sind bereits seit gestern Abend 23 Uhr auf der Strecke, durch die Nacht, nur im Schein einer Stirnlampe durchs Hochgebirge, einfach unglaublich. Bis zum Start in Kals um 7 Uhr können wir noch im Transferbus ein Schläfchen halten oder die Morgendämmerung in den Bergen genießen.
Als wir um kurz vor 6 in Kals eintreffen, hängen die Wolken tief. Es sieht nach Regen aus. Der Startbereich ist überdacht, so das wir bei unseren Vorbereitungen erst einmal trocken bleiben, als es tatsächlich anfängt wie aus Eimern zu schütten. Wir bedienen uns erstmal am Frühstücksbuffet und warten ab.

 

 

Bei der anschließenden Laufbesprechung gibt es erstmal Entwarnung, von oben soll es heute weitgehend trocken bleiben, jedoch sind für den Nachmittag schwere Gewitter angesagt, wir sollten uns schonmal darauf vorbereiten, dass das Rennen auch für ein oder zwei Stunden unterbrochen werden kann. Nach einer kurzen Einweisung wird es laut im Startbereich, die ersten Läufer der Langstrecke werden angekündigt, die hier in Kals schon 60 km in den Beinen haben werden. Unglaublich locker und leicht traben sie durch die Menge und genießen sichtlich den Beifall.

Pünktlich um 7 Uhr geht es dann auch für uns los. Mit 500 anderen Irren machen wir uns auf in Richtung Kaprun, wo wir hoffentlich alle heil und gesund ankommen werden. Der Regen hat tatsächlich nachgelassen, es fisselt nur noch ein wenig und nach und nach wird es trocken. Vor uns liegen jetzt 1400 Steigungsmeter immer nur nach oben, erstes Etappenziel ist das Berghotel Rudolfshütte, wo bei Kilometer 20 die erste Verpflegungsstation aufgebaut ist. Bereits nach ein paar hundert Metern einlaufen geht es ab ins Gelände, der Weg wird schnell steil und schmal, die Läufer reihen sich wie an einer Perlenkette hintereinander auf, es staut sich ein wenig. Das ganze wird ziemlich locker genommen, es wird gequatscht und fotografiert. Schnell weitet sich das Tal wieder und es geht immer entlang des Kalser Baches nach oben.

Entlang an idyllisch gelegenen Weilers laufend erreichen wir die Dabakklamm. Hier wird es jetzt steiler, so das aus Läufern immer mehr Wanderer werden. Weiter geht es durch das Dorfertal hinauf zu den Kalser Tauern, im Höhenprofil der erste Zacken den wir zu erklimmen haben. Die Strecke wird immer technischer und auch immer steiler. Über Felsstürze und schmale Pfade laufkletterwandern wir voran, vorbei an Bergseen und Almen bis zum Talschluß des Dorfertals. Ab nun schrauben sich enge Serpentinen nach oben hinauf zum Kalser Tauern auf 2518 müNN, dem Übergang von Osttirol ins Pinzgau.

Jetzt gehts erstmal bergab, vorbei am Weißensee zur ersten Verpflegungsstation in der Rudolfshütte. Im Skikeller des Hotels ist eine üppige Verpflegung aufgebaut, von Eintopf über Kuchen, Salzgebäck, Brote, Obst und Riegel ist alles ausreichend vorhanden. Gut gesättigt geht es nach 15 min weiter in Richtung des mit 2639 müNN höchsten Punktes des Laufes, dem Kapruner Törl.

Zuvor geht es jedoch bergab, manchmal kann man laufen, meistens ist, zumindest für uns, klettern angesagt. Der Weg ist in den Felsrutschen, trotz der Markierungen, nur schwer zu erkennen. Immer weiter geht es hinab, bis wir die Talsohle erreichen und den dort fließenden Gletscherbach auf einem wackeligen Holzbrett überqueren können. Jetzt geht’s nach oben, über 600 steile Höhenmeter sind hinauf zum Kapruner Törl zu bewältigen. Es wird langsam immer steiler und die Luft wird immer dünner. Langsam steigen wird hinauf, irgendwann liegt die Gletscherzunge unter uns und vor uns baut sich eine Felswand auf. Von unten ist kein Weg zu erkennen, aber vor uns sind immer noch Läufer, also wird es schon richtig sein. Irgendwann sehen wir immer weniger Mitstreiter, so als würde der Berg sie einfach verschlucken. Nach einer Kehre dann des Rätsels Lösung, wir waren oben! Durch eine schmale Felsspalte erreichten wir das Kapruner Törl. Tief unter uns schimmerte der Mooserboden, der obere der Kapruner Hochgebirgsstauseen. Wir sind jetzt ca. 6 Stunden unterwegs und haben ungefähr die Hälfte der Strecke geschafft. Jetzt müssen wir nur noch die 2000 Gefällemeter bis zum Ziel in Kaprun schaffen, ein „Kinderspiel“.

Doch zuerst ist wieder klettern angesagt, über riesige Felstrümmer geht es bergab. Unter uns können wir den weiteren Streckenverlauf gut verfolgen. Schon bald erreichen wir ein großes Altschneefeld, auf dem es den folgenden Kilometer abwärts geht, rutschend und schlitternd, meistens auf den Füßen, manchmal auf dem Hintern geht es bergab. Bald können wir wieder laufen und erreichen das Südufer des Mooserbodenstausees. Immer am Ufer entlang laufen wir in Richtung Staumauer, der 2. und letzten Verpflegung entgegen. Durch Versorgungstunnel und über die Mauerkrone laufend erreichen schließlich die Labestation und füllen unsere Speicher noch einmal auf. Es ist warm geworden, die Sonne scheint jetzt von einem fast wolkenlosen Himmel.

Weiter geht es durch einen Bergkräutergarten hinab in Richtung Ebmaten-Fürthermoaralm, wo wir auch direkt in eine Kuhherde laufen, die auf dem Weg zum Melken ist. Kein Durchkommen möglich, also wandern wir hinter der Herde her. Dann laufen wir entlang des Wasserfallboden, dem unteren der Stauseen. Der Weg ist hier nur ca. 30-40 cm schmal, das Ufer ist steil, ganz kniffelige Stellen sind mit Stahlseilen und Eisentritten gesichert. Ständig sind kleine Bäche zu überqueren so das sie Schuhe bis ins Ziel nicht mehr trocken werden. Immer tiefer schrauben wir uns den Berg hinab, in engen Serpentinen geht es nun durch den Wald nach unten, zu den ständigen Steinen kommen jetzt auch noch rutschige Wurzeln, ein Trail der alles bietet was man braucht. Langsam beginnen sich die Oberschenkel zu melden, irgendwann müssen wir doch unten sein. Dann endlich ist es geschafft, wir sind im Tal angekommen und die letzten 6 km liegen vor uns. Was jetzt folgt, ist leider der uninteressanteste Abschnitt der Strecke, es geht über Wirtschaftswege und entlang der Hautstraße zum Ziel.

Nach fast 11 Stunden haben wir es dann geschafft, das Ziel in Kaprun ist erreicht. Ein wunderschöner Lauftag ist zu Ende, Anke hat ihren ersten Ultratrail geschafft und auf dem Campingplatz wartet ein leckeres Abendessen auf uns. Läuferherz, was willst du mehr!!!

P.S.: Das die Warnung vor einem Gewitter nicht von ungefähr kam, konnten wir dann am nächsten Abend erleben, als Hagelkörner von 2-3 cm Durchmesser einen ordentlichen Schaden anrichteten. So etwas möchte ich ohne Schutz im Hochgebirge nicht wirklich erleben.


Details zur Veranstaltung

Tagged , , .

Andreas Kropp

One Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.